Prüfungen

Inhalte der Immobilienfachwirt-Weiterbildung

Welche Themen die Weiterbildung zum Immobilienfachwirt im Detail abdeckt – von der wirtschaftsbezogenen Grundbildung bis zum Bauprojektmanagement.

Der Rahmenstoffplan des Immobilienfachwirts ist auf Breite angelegt. Kaufmännisches Wissen, rechtliche Grundlagen, immobilienspezifische Tiefe und pädagogische Basis kommen in einem Lehrgang zusammen. Diese Seite führt durch die Inhalte, ordnet sie nach Blöcken und zeigt, worauf es in jedem Themenfeld ankommt.

Wirtschaftsbezogene Qualifikation

Der erste Block stellt die kaufmännische Grundbildung sicher. Er besteht aus fünf Handlungsbereichen.

Volks- und Betriebswirtschaft. Wirtschaftskreislauf, Angebot und Nachfrage, Marktformen, Konjunktur, Geldpolitik. Betriebswirtschaftlich: Unternehmensformen, Organisation, Prozessgestaltung, Entscheidungsmodelle.

Rechnungswesen. Buchführung, Bilanzierung, Gewinn- und Verlustrechnung, Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling. Dieser Bereich ist zahlenlastig und für viele Teilnehmer die größte Herausforderung.

Recht und Steuern. Grundzüge des BGB, HGB, Arbeitsrecht, Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Grundzüge des Steuerrechts. Der Block legt die rechtliche Basis, auf die der immobilienspezifische Teil aufsetzt.

Unternehmensführung. Personalwirtschaft, Organisationsentwicklung, Führungsinstrumente, strategische Planung. Die kaufmännische Seite der Führungsaufgabe.

Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen. Immobilienwirtschaftliche Märkte im Kontext, makroökonomische Einflüsse, Zinspolitik, demografische Entwicklung.

Immobilienverwaltung und Bestandsmanagement

Der immobilienspezifische Kernblock beginnt mit der Bewirtschaftung des Bestands.

Mietverhältnisse. Mietvertragsrecht im BGB, Sonderregelungen für Wohn- und Gewerbemietverträge, Kündigungs- und Räumungsrecht, Mieterhöhung, Mietspiegel, Mietpreisbremse.

Wohnungseigentumsrecht. Aufbau einer Eigentümergemeinschaft, Rechte und Pflichten der Eigentümer, Gemeinschaftseigentum vs. Sondereigentum, Eigentümerversammlung, Beschlussverfahren.

Betriebskosten und Nebenkostenabrechnung. Die Betriebskostenverordnung, Abrechnungsmaßstäbe, formelle und materielle Fehler, Fristen, aktuelle Rechtsprechung.

Mängel und Instandhaltung. Abgrenzung zwischen Instandhaltung und Modernisierung, Mängelanzeige, Mietminderung, Dokumentation.

Forderungsmanagement. Mahnverfahren, Verjährung, gerichtliche Durchsetzung, Räumungsklage.

Immobilienvermittlung

Das zweite große Handlungsfeld: der Kauf- und Verkaufs- oder Vermietungsprozess.

Maklerrecht. Anforderungen nach §34c GewO, Bestellerprinzip, Provisionsansprüche, Widerrufsrechte.

Immobilienbewertung. Verkehrswertermittlung nach ImmoWertV, Vergleichs-, Ertrags- und Sachwertverfahren, Bewertung von Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Exposé und Marketing. Aufbau eines Exposés, marketingrechtliche Rahmen (zum Beispiel Energieausweispflicht), digitale Vermarktungskanäle.

Vertragsrecht im Immobiliengeschäft. Kaufvertrag, notarielle Beurkundung, Grundbuchordnung, Auflassung, Eintragung.

Bauprojektmanagement

Der dritte Schwerpunkt im immobilienspezifischen Block.

Grundstücksbewertung und -erwerb. Marktanalyse, Ankaufsprüfung, Verträge, rechtliche Absicherung.

Bauplanung und Baurecht. Bauordnungsrecht, Baugesetzbuch, Bebauungsplan, Baugenehmigung.

Projektkalkulation. Investitionsrechnung, Liquiditätsplanung, Renditeberechnung, Risikoabwägung.

Projektsteuerung. Zusammenarbeit mit Architekten und Fachplanern, Ausschreibung und Vergabe, Baustellenüberwachung, Abnahme und Gewährleistung.

Vermarktung und Übergabe. Vertriebsstrategie für Neubauobjekte, Wohnungsverkauf nach Wohnungseigentumsgesetz, Mietmarktanbindung.

Finanzierung und Steuern in der Immobilienwirtschaft

Immobilienfinanzierung. Grundlagen der Kreditvergabe, Beleihungswertermittlung, Zinsbindung, Sondertilgung, staatliche Förderprogramme wie KfW-Darlehen.

Steuerliche Behandlung. Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Spekulationsfrist, Werbungskosten bei vermieteten Objekten, umsatzsteuerliche Behandlung von Gewerbemietverhältnissen.

Führung und Kommunikation

Personalführung. Rolle als Teamleitung, Führungsstile, Mitarbeitergespräche, Konfliktmanagement, arbeitsrechtliche Grundzüge.

Kommunikation. Kundenkommunikation, Verhandlungstechnik, Umgang mit schwierigen Situationen, schriftliche Kommunikation in sensiblen Fällen.

AdA – Ausbildereignung

Pädagogische Grundlagen, Ausbildungsplanung, Ausbildungsrahmenplan, Prüfungsvorbereitung, praktische Ausbildungssituationen. Die AdA ist inhaltlich eher knapp, aber eine Pflichtleistung.

Wie die Inhalte im Lehrgang vermittelt werden

Gute Lehrgänge mischen Theorie und Fallarbeit. Ein Modul zum Wohnungseigentumsrecht etwa enthält juristische Grundlagen, einen realen Beispielbeschluss einer Eigentümerversammlung, eine Fallstudie zur Beschlussanfechtung und eine Übung zur Formulierung eines Einladungsschreibens. Wer das Prinzip erkennt, lernt effizienter.

Häufige Fragen

Wie breit ist das Fachwissen wirklich?

Breiter, als viele erwarten. Der Fachwirt wird gezielt auf eine Rolle vorbereitet, in der alle genannten Bereiche vorkommen können.

Muss ich alle Gesetze auswendig können?

Nein. Gefragt ist die Fähigkeit, relevante Vorschriften zu finden und anzuwenden – nicht Wortlaut zu zitieren.

Wie aktuell ist der Rahmenstoffplan?

Die Prüfungsordnungen werden in Intervallen aktualisiert. Gute Lehrgänge ergänzen laufend neue Rechtsprechung und Gesetzesänderungen.

Was ist am anspruchsvollsten?

Für die meisten Teilnehmer die Verzahnung aus Recht und Rechnungswesen – die beiden Bereiche, die viele vorher gemieden haben.

Nächster Schritt

Wie die Prüfung im Detail abläuft und welche Prüfungsleistungen dich erwarten, erfährst du auf der Seite Prüfung zum Immobilienfachwirt.